Teil 4

Sonntag, 04. Dezember

Endlich Wochenende. Die Schule konnte für heute vergessen werden.
Nicki durfte ausschlafen. Im Land seiner Träume war er weit weg von allen seinen Sorgen. Niemand ärgerte ihn. Niemand wollte ihn davon abbringen, an den Weihnachtsmann zu glauben. Doch irgendwann klopfte es dann doch an seine Tür und er wurde von Mama geweckt.
»Bald kommt der Nikolaus.«, erzählte er beim Frühstück.
»Ich hab auch schon eine Socke an meinem Fensterbrett gehängt. Dienstag in der Früh hat er mir dann bestimmt eine kleine Überraschung rein gesteckt.«
Papa seufzte und legte seinem Sohn eine Hand auf die Schulter.
»Es gibt da etwas, dass ich dir mal erzählen sollte.«
Und schon begann es wieder von vorn. Nicki erfuhr, dass Weihnachtsmann und Nikolaus die selbe Person waren und es beide nicht gab.
»Ihr habt mich gar nicht mehr lieb, dass ihr mir so viele Lügen erzählt.«, regte sich Nicki auf.
Er war den Tränen nahe, als er in sein Zimmer rannte und die Tür hinter sich in Schloss warf. Dann hockte er sich weinend vor die kleine rote Socke und hoffte ganz tief in seinem Herzen, dass er sich nicht irrte.
»Es muss ihn einfach geben. Bitte, bitte, bitte. Komm heute Nacht hier vorbei.«
Doch in Nickis Kopf sah es ganz anders aus. Die ersten Zweifel machten sich in seinen Gedanken breit.
Am Nachmittag klingelte es an der Tür. Oma war angekommen. Doch dieses Mal stürmte Nicki nicht die Treppe herunter. Stattdessen schlich er über jede einzelne Stufe. Als er im Flur stand wunderte er sich.
»Oma? Wen hast du denn da mitgebracht?«
Tatsächlich. Oma war nicht allein gekommen. Sie war in Begleitung eines großen, dicken Mannes mit einem langen Bart.
»Hallo, mein Junge. Schön, dass du da bist.«
Dann wandte sie sich ihren Begleiter zu.
»Das ist mein Nachbar, der Klaus. Wir haben uns vor ein paar Wochen kennengelernt, als mein Auto nicht mehr anspringen wollte. Es gibt also doch noch hilfsbereite Menschen. Und nun sind wir dicke Freunde.«
Sie knuffte Klaus in die Seite, während Mama die beiden herein bat.
Nicki begrüßte die beiden und gab ordentlich die Hand. Als er Klaus gegenüber stand, zwinkerte dieser ihm zu.
»Na, kleiner Mann? Freust du dich schon darauf, dass Morgen Nacht der Nikolaus zu dir kommt?«
Nicki bekam sofort einen traurigen Gesichtsausdruck und sah zu Boden.
»Es gibt ihn gar nicht.«, sagte er kleinlaut.
Da hockte sich Klaus hin und hob dem Jungen den Kopf wieder an.
»Wer hat dir denn den Quatsch erzählt? Natürlich gibt es den Nikolaus. Ich habe ihn sogar schon einmal persönlich getroffen. Und wenn er dir nichts in deine kleine rote Socke steckt, dann liegt das daran, dass er sich ein klein wenig verspätet. Aber der Tag Morgen ist lang. Du wirst schon sehen.«
Dann stand er auf und folgte Oma zum Kaffeetisch.
»Meine kleine rote Socke?«, murmelte Nicki vor sich hin.
»Woher weiß er denn davon?«
Das war schon sehr seltsam. Aber Nicki freute sich trotzdem, einen Erwachsenen getroffen zu haben, der ihn nicht vom Glauben an Weihnachtsmann und Nikolaus abbringen wollte.
»Der Mann ist in Ordnung.«
Da war sich Nicki sicher.
Am Abend fuhr Oma wieder nach Hause. Doch bevor sie das Haus verließ, drehte sie sich noch einmal zu ihrem Enkel um.
»Ach, mein kleiner, trauriger Schatz. Wenn du an etwas glaubst, dann lass dich davon nicht abbringen. Lass dir nichts von den Großen erzählen, denn die sind viel zu erwachsen für schöne Geschichten. Und ich bin mir ganz sicher, dass der Nikolaus heute Nacht zu dir kommen wird.«
Und Klaus setzte auch noch etwas hinzu.
»Er war schon hier. Ich bin mir ganz sicher. Schau in deiner kleinen Socke nach.«
Dann zwinkerte er dem Jungen zu und ging nach draußen. Vom Wagen rief er noch etwas zur Haustür.
»Und ich habe mal gehört, dass er Kinder wie dich sogar öfter besuchen wird, weil ihr so sehr an ihn glaubt. Das macht ihn besonders glücklich.«
Nicki wusste nicht, was das alles bedeuten sollte. Doch nun keimte ein Funken Hoffnung in seinem Herzen. Er lief nach oben in sein Zimmer und plünderte die rote Socke am Fensterbrett. In ihr fand er ein paar goldene Schokoladentaler und einen Brief des Nikolaus.

(c) 2016, Marco Wittler

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