Teil 3

Samstag, 03. Dezember

»Morgen kommt Oma zu Besuch.«, sagte Mama am Frühstückstisch.
Das waren doch mal gute Nachrichten. Nicki freute sich sofort, denn Oma hatte bisher jedes Jahr zum Nikolaustag Geschichten über den Weihnachtsmann erzählt.
»Sie glaubt bestimmt noch an den Weihnachtsmann.«, dachte sich Nicki.
Das war seine große Chance, es seiner Familie zu zeigen. Doch nun wurde es langsam Zeit für die Schule. Schule am Samstag? Ja genau, richtig doof. Das Wochenende war doch zum Ausschlafen gedacht. Aber es war kein Unterrichtstag. Heute war der monatliche Basteltag. Die Kinder trafen sich, wer wollte, in der Schule, um etwas zu Basteln. Dieses Mal waren es Weihnachtsgeschenke für ihre Verwandten.
In der großen Pause saßen sie wieder zusammen und spielten mit dem wenigen Schnee, der über Nacht gefallen war. Es reichte noch lange nicht für eine Schlittenfahrt. Aber es sah zumindest so aus, als hätte jemand die Erde mit ein wenig Puderzucker bestreut. Doch dann brach die Wolkendecke auf und die Sonnenstrahlen begannen, das Weiß weg zu tauen.
Nicki, Leon und Tim hockten auf der Spielwiese und formten kleine Schneebälle. Doch bevor sie auch nur daran denken konnten, sie zu werden, kam die mahnende Stimme von Frau Schmidt, einer strengen Lehrerin.
»Schneebälle sind an unserer Schule strengstens verboten. Zerdrückt sie sofort oder ihr müsst mit einer Strafe rechnen.«
Leon sah hoch und grinste.
»Die glaubt bestimmt nicht mehr an den Weihnachtsmann, so gemein, wie sie ist.«
Da mussten die anderen lachen.
»Jetzt werdet doch mal wieder ernst.«, schimpfte Nicki.
»Wir haben noch sehr viel zu erledigen. Habt ihr euch um eure Aufgaben gekümmert?«
Die Jungs nickten. Dann kramte Tim einen Zettel hervor.
»Nach meinen Recherchen müsste es sehr einfach sein, den Weihnachtsmann zu fotografieren. In der heiligen Nacht fliegt er mit seinem Rentierschlitten um die Welt, um allen braven Kindern Geschenke zu bringen. Wenn alle schlafen, klettert er durch den Kamin ins Wohnzimmer und legt die Geschenke unter den Baum. Und das ist der Moment, in dem wir ihn erwischen.«
Leon sah Tim fragend an. Also setzte Tim die Erklärung des Plans fort.
»Der Weihnachtsmann steht unheimlich auf frisch gebackene Kekse und kalte Milch. Wir stellen ihm das alles auf einem kleinen Tisch bereit. Daran wird er nicht vorbei gehen können. Und wenn er sich davon nimmt, haben wir genug Zeit auf den Auslöser unserer Fotokamera zu drücken.«
»Mein großer Bruder hat eine Webcam in seinem Laptop.«, fiel Leon ein.
»Wenn ich ihn frage, dürfen wir sie vielleicht benutzen. Dann bekommen wir sogar ein Video vom Weihnachtsmann.«
Der Plan klang narrensicher. So musste es einfach funktionieren. Nicki lud seine Freunde für den nächsten Nachmittag zu sich nach Hause ein, um sich auf die große Nacht vorzubereiten.
»Ich bin ja so aufgeregt. Endlich lernen wir ihn persönlich kennen.«
Der Nachmittag verlief ziemlich ereignislos. Während sich Mama um die Wäsche kümmerte, dachte Nicki darüber nach, wie er in der heiligen Nacht lange genug wach bleiben konnte.
»Oh je, das wird alles andere als einfach. Ich schlafe doch sonst schon immer so früh ein. Ich muss einfach aufpassen, dass Papa mir keine Geschichte vorliest. Die machen mich immer so müde.«

(c) 2016, Marco Wittler

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