Teil 01

Donnerstag, 01. Dezember

Nicki saß in seinem Kindersitz und sah aus dem Fenster, während Mama das Auto durch die Straßen steuerte.
»Schau mal, Mama, da ist der Weihnachtsmann. Bekomme ich heute abend meine Geschenke?«
Mama sah sich um und entdeckte eine rotweiße Puppe, die unter einem Fenster hing.
»Das ist nicht der Weihnachtsmann. Das ist nur eine Puppe.«
Nicki wusste nicht was er davon halten sollte.
»Aber schau doch mal, da ist er schon wieder. Er verteilt grad die Geschenke. Kommt er auch zu uns?«
Es war eine weitere Puppe, die auf einem Kamin saß.
Mama sah schon gar nicht mehr hin. Immer wieder hörte sie ihren Sohn vom Weihnachtsmann reden. Langsam ging es ihr auf die Nerven.
»Der kommt nicht zu uns. Es ist noch nicht Weihnachten.«
Nicki war enttäuscht. Er hatte sich doch schon so sehr auf sein Geschenk gefreut. Einen großen Kran hatte er sich gewünscht.
»Aber er kommt doch auch bald zu uns oder? Ich bin doch ein braves Kind gewesen, richtig? Er wird mir doch mein Geschenk bringen?«
Da kam plötzlich ein Auto aus einer Seitenstraße heraus geschossen. Fast hätte es einen Unfall gegeben. Mama konnte noch gerade eben auf die Bremse treten und brachte die Reifen zu quietschen. Dann drückte sie ein paar Mal wütend auf die Hupe und schimpfte, so laut sie konnte.
»Stell dir mal vor, wenn das jetzt der Weihnachtsmann gewesen wäre. Der hat es doch auch immer so eilig.«, brabbelte Nicki vor sich hin.
Nun platzte Mama entgültig der Kragen. Ihr Gesicht lief rot an, als sie sich nach hinten umdrehte und ihren Sohn zur Ruhe ermahnte.
»Nun sei endlich ruhig. Es gibt gar keinen Weihnachtsmann. Das ist alles nur ein Märchen. Er ist nie zu uns gekommen und wird es auch niemals machen. Und jetzt ist Schluss. Wir müssen endlich einkaufen.«
Nicki war entsetzt. Es gab den Weihnachtsmann nicht? Das konnte doch einfach nicht stimmen. Mama log, das war ihm felsenfest klar.
»Das glaub ich dir nicht.«
Und schon begann er zu weinen. Dicke Tränen rannen an seinen Wangen herab. Er wollte sich gar nicht mehr beruhigen. Mama schwieg, parkte das Auto vor dem Supermarkt und packte anschließend ihren Sohn in den Einkaufswagen.
Während sie zwischen den Regalen hin und her fuhren, dachte Nicki angestrengt nach. Er wollte einfach nicht glauben, was er gehört hatte.
»Es gibt ihn doch. Mama weiß das nur nicht, weil sie kein Kind mehr ist.«, murmelte er vor sich hin.
»Und das werde ich ihr auch beweisen. Ich werde ihr ein Foto vom Weihnachtsmann machen, dann muss sie mir einfach glauben. So werde ich das machen.«
Als sie zwei Stunden später wieder zu Hause angekommen waren, verzog sich Nicki gleich in sein Zimmer und schmiedete seine Weihnachtspläne. Er machte wilde Zeichnungen und schrieb viele Zahlen und Buchstaben dazu, die er anschließend selbst nicht mehr lesen konnte. Erst als es dunkel wurde, war er mit seinem Werk zufrieden.
Nach dem Essen legte er sich in sein Bett und schlief bald ein. In der Nacht träumte er, dass er mit dem Weihnachtsmann eine Schlittenfahrt durch den Nachthimmel machte.

(c) 2016, Marco Wittler

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